Die Zahl der Unfälle an Bahnübergängen in Deutschland bleibt seit Jahren hoch. Trotz eines Rückgangs der Übergänge selbst stagniert die Unfallstatistik. Bis Ende August 2025 starben 36 Menschen bei Zusammenstößen, weitere 188 wurden verletzt.
Inhaltsverzeichnis:
- Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung meldet Anstieg
- Achim Stauß warnt vor stagnierender Entwicklung
- Eric Schöne fordert mehr Investitionen
- Unfall in Neumünster zeigt Risiken
- Langsame Fortschritte trotz hoher Gefahren
Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung meldet Anstieg
Nach Angaben der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) liegt die Zahl der Todesopfer und Verletzten 2025 bereits jetzt über dem Niveau der beiden Vorjahre. Die von NDR Info und Panorama 3 ausgewerteten Daten zeigen, dass die Gesamtzahl der Unfälle an Bahnübergängen kaum gesunken ist, obwohl die Deutsche Bahn seit 2010 fast 20 Prozent der Übergänge abgebaut hat.
Die Statistik zeigt ein hohes Niveau an Vorfällen:
- 2010: über 220 Unfälle, fast 50 Tote
- 2019: rund 175 Unfälle, über 30 Tote
- 2025 (bis August): 120 Unfälle, 36 Tote
| Jahr | Unfälle gesamt | Todesopfer |
|---|---|---|
| 2010 | ca. 220 | ca. 45 |
| 2015 | ca. 140 | ca. 30 |
| 2019 | ca. 175 | ca. 30 |
| 2023 | ca. 160 | ca. 40 |
| 2025* | ca. 120 | 36 |
*Daten bis August 2025
Achim Stauß warnt vor stagnierender Entwicklung
Der Sprecher der Deutschen Bahn, Achim Stauß, betonte, dass jeder Unfall einer zu viel sei. Er erklärte, dass in der Vergangenheit vor allem die leichter ersetzbaren Bahnübergänge durch Brücken oder Tunnel beseitigt wurden. Heute geht es um schwierige und teure Projekte, die gemeinsam mit Bund, Ländern und Kommunen finanziert werden müssen.
Die Planungen dauern oft viele Jahre. Gleichzeitig sinkt die Zahl der jährlich abgebauten Übergänge seit rund einem Jahrzehnt.
Eric Schöne fordert mehr Investitionen
Der Verkehrsexperte Eric Schöne von der TU Dresden sieht keine Sicherheitsverbesserungen an den bestehenden Bahnübergängen. Er nennt drei zentrale Maßnahmen:
- Problematische Übergänge schneller beseitigen.
- Mehr technische Sicherungen wie Lichtzeichen und Schranken einführen.
- Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen.
Seiner Einschätzung nach liegen zwischen technischer Zuverlässigkeit und menschlicher Fehleranfälligkeit mehrere Größenordnungen.
Unfall in Neumünster zeigt Risiken
Besonders tragisch war der Unfall am 6. Juni 2023 in Neumünster-Stoverseegen, Schleswig-Holstein. Dort starb der Fahrer eines Lieferwagens, Murat C., als er mit einem Regionalexpress kollidierte. Wegen Bauarbeiten war die Schranke außer Betrieb und sollte manuell gesichert werden. Doch die Sicherungskette war offen. Der Zug schob das Fahrzeug mehrere Hundert Meter vor sich her, bevor er zum Stehen kam.
Der Fall verdeutlicht die Gefahren von Übergängen ohne automatische Sicherung. Schöne fordert daher Nachwarnsysteme, die Schranken auch bei menschlichem Versagen schließen.
Langsame Fortschritte trotz hoher Gefahren
Bahnübergänge sind die unfallträchtigsten Stellen im Schienennetz. 2023 gab es bundesweit 15.820 Übergänge. Fehlverhalten der Straßenverkehrsteilnehmer ist bei mehr als 95 Prozent aller Vorfälle die Hauptursache. Dennoch zeigen Fälle wie Neumünster, dass auch Fehler bei Bahnmitarbeitern gravierende Folgen haben können.
Die Daten belegen: Trotz eines jahrzehntelangen Rückgangs der Bahnübergänge bleibt die Zahl der Unfälle hoch und entwickelt sich seit Jahren kaum weiter.
Quelle: Tagesschau, YouTube, BR24