Sanierung verzögert sich
Sanierung verzögert sich, Foto: pixabay

Die Deutsche Bahn verschiebt die umfassende Modernisierung wichtiger Strecken erneut. Das Großprojekt zur Generalsanierung von über 40 zentralen Korridoren in Deutschland soll nun bis 2036 abgeschlossen werden – ein weiteres Jahr später als zuletzt angekündigt. Diese Entscheidung wurde nach einem Branchendialog mitgeteilt. Der ursprüngliche Zeitplan sah ein Ende der Arbeiten im Jahr 2031 vor, doch die Realität auf dem Bau und in der Planung erzwingt Anpassungen.

Inhaltsverzeichnis:

Kritik vom Rechnungshof an Deutsche Bahn

Der Bundesrechnungshof kritisiert deutlich das Fehlen einer Gesamtstrategie bei der Deutschen Bahn. Die Prüfer bezweifeln, dass der Konzern kurz- oder mittelfristig die verkehrs- und klimapolitischen Ziele erfüllen kann. In einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags heißt es, dass die Bundesregierung grundlegende Probleme systematisch und ganzheitlich angehen müsse. Allein steigende Finanzmittel könnten die Dauerkrise bei der Bahn nicht lösen.

Schon unter der Vorgängerregierung wurde das Konzept der Generalsanierung angestoßen. Ziel war es, Arbeiten zu bündeln, um langfristig effizienter zu sanieren. Allerdings bedeutet das für Fahrgäste und Güterverkehr monatelange Totalsperrungen einzelner Streckenabschnitte. So wird aktuell die Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim – die Riedbahn – modernisiert. Die nächste Großsperrung betrifft die Verbindung zwischen Berlin und Hamburg: Von August 2024 bis Ende April 2026 bleibt sie komplett gesperrt.

Neue Planung für 2026 und 2027

Für die Jahre 2026 und 2027 bleibt die Reihenfolge der Projekte unverändert. Grund dafür sind bereits weit fortgeschrittene Bau- und Fahrplanungen. Die Bahn teilte mit, dass im Jahr 2026 folgende Strecken saniert werden:

  1. Hagen–Wuppertal–Köln
  2. Nürnberg–Regensburg
  3. Obertraubling–Passau
  4. Troisdorf–Wiesbaden

Für das Jahr 2027 sind erneute Vollsperrungen und Modernisierungen auf diesen Strecken vorgesehen:

  • Rosenheim–Salzburg
  • Lehrte–Berlin
  • Bremerhaven–Bremen
  • Fulda–Hanau

Weitere Projekte, wie Lübeck–Hamburg und Frankfurt–Heidelberg, werden auf die Folgejahre verschoben.

Neue Korridore ab 2028

Ab 2028 soll ein überarbeiteter Zeitplan gelten. Die Deutsche Bahn schlägt für dieses Jahr vier neue Korridore zur Generalsanierung vor:

  • Köln–Mainz
  • München–Rosenheim
  • Hagen–Unna–Hamm
  • Lübeck–Hamburg

Die Verlängerung der Sanierung bis 2036 ermöglicht laut Bahnbranche eine bessere Vorbereitung. Peter Westenberger vom Verband der Güterbahnen betonte, dass die ursprüngliche Taktung eine Überforderung im Bauprozess und unzumutbare Umleitungen bedeutet hätte. Eine gestreckte Umsetzung schaffe Luft für solide Planung und Durchführung.

Milliardeninvestitionen vom Bund

Der Bund investiert Milliardenbeträge in die Sanierung des Schienennetzes. Trotz der Kritik des Bundesrechnungshofs bleibt die Politik bei ihrer Unterstützung des Vorhabens. Doch die Verzögerungen stellen Fahrgäste und Unternehmen weiter auf die Probe. Unpünktlichkeit und eingeschränkter Betrieb werden somit bis mindestens 2036 zum Alltag gehören.

Die finale Entscheidung über die genaue Reihenfolge der Projekte trifft der Bund. Er ist auch für die Bereitstellung der finanziellen Mittel und für die politische Steuerung verantwortlich. Bis dahin bleibt das Netz in einem angespannten Zustand – mit teuren Konsequenzen für Personen- und Güterverkehr.

Quelle: Handelsblatt