Die europäischen Nachtzugverbindungen erleben einen überraschenden Aufschwung. Zwei Strecken, deren Ende bereits beschlossen schien, erhalten nun eine neue Zukunft. Sowohl zwischen Paris und Berlin als auch auf der Verbindung Berlin–Stockholm übernehmen neue Betreiber die Verantwortung. Damit bleibt der grenzüberschreitende Schienenverkehr in Europa gesichert und wächst zugleich um zwei zentrale Achsen.
Inhaltsverzeichnis:
- European Sleeper ersetzt die ÖBB auf der Strecke Paris–Berlin
- Chris Engelsman bestätigt höhere Kapazität
- RDC Deutschland übernimmt Berlin–Stockholm-Verbindung
- Konkurrenz und Wirtschaftlichkeit auf skandinavischer Strecke
European Sleeper ersetzt die ÖBB auf der Strecke Paris–Berlin
Der Nachtzug zwischen Paris und Berlin stand kurz vor dem Aus. Die Österreichischen Bundesbahnen hatten angekündigt, die Linie zum 14. Dezember einzustellen, nachdem Frankreich die finanziellen Zuschüsse gestrichen hatte. Das niederländische Unternehmen European Sleeper übernimmt nun die Verbindung und startet am 26. März 2026.
Geplant sind drei wöchentliche Fahrten:
- Dienstag, Donnerstag und Sonntagabend ab Bahnhof Paris Nord,
- Montag, Mittwoch und Freitagabend ab Berlin Hauptbahnhof und Ostbahnhof.
Die Abstimmung der genauen Fahrzeiten erfolgt derzeit mit den Infrastrukturbetreibern in Frankreich, Belgien und Deutschland. Tickets sollen ab dem 16. Dezember 2025 erhältlich sein, zu einem Einstiegspreis von 59 Euro. Die neue Verbindung ergänzt das bestehende Angebot des Betreibers, der bereits die Strecke Brüssel–Berlin–Prag bedient.
Mehr Details zu künftigen Entwicklungen und zu ähnlichen Projekten finden Sie in der Analyse über die Zukunft des Nachtzugs Paris–Berlin.
Chris Engelsman bestätigt höhere Kapazität
Mitgründer Chris Engelsman erklärte, dass der neue Nachtzug bis zu 700 Fahrgäste aufnehmen kann. „Wir werden die Fahrgastzahlen auch steigern können, da wir eine höhere Kapazität als Nightjet bieten“, sagte er. Während die ÖBB zwölf Wagen aufteilen mussten, nutzt European Sleeper künftig zwölf bis vierzehn Wagen ausschließlich für Berlin.
Die Waggons stammen aus den 1990er-Jahren, bieten aber modernen Komfort. Ein Speisewagen ist zunächst nicht vorgesehen, da die Betriebskosten zu hoch sind. Engelsman erläuterte: „Wir würden sehr gerne einen Speisewagen haben, aber aus wirtschaftlicher Sicht ist das eine Herausforderung.“
Ein Überblick über ähnliche internationale Projekte steht unter neue Nachtzugstrecke Basel–Kopenhagen.
RDC Deutschland übernimmt Berlin–Stockholm-Verbindung
Auch im Norden Europas gibt es Bewegung. Die Nachtzuglinie Berlin–Hamburg–Stockholm wird nach dem Ausstieg der schwedischen Staatsbahn SJ weitergeführt. Der neue Betreiber ist RDC Deutschland, ein Tochterunternehmen der Railroad Development Corporation aus Pittsburgh.
SJ hatte beschlossen, den Betrieb ab 1. September 2026 zu beenden, da die staatlichen Entschädigungen auslaufen. Laut Christer Lizell, Business Manager bei SJ EuroNight, sei es ohne Zuschüsse „sehr schwierig, positive Ergebnisse zu erzielen“. RDC Deutschland war bisher als Dienstleister tätig, stellte Personal und Wagen, und übernimmt nun den kompletten Betrieb eigenständig.
Das Unternehmen verfügt über Wagen mit insgesamt bis zu 390 Plätzen – 60 im Schlafwagen, 210 im Liegewagen und 120 im Sitzwagen. Die Strecke wird künftig nicht täglich verkehren, etwa 50 Prozent der bisherigen Fahrttage sollen bestehen bleiben.
Konkurrenz und Wirtschaftlichkeit auf skandinavischer Strecke
Neben RDC betreibt auch Snälltåget weiterhin eine Verbindung zwischen Berlin und Stockholm. Zwischen Ende März und Ende Oktober 2026 sind sechs wöchentliche Fahrten geplant. Beide Unternehmen müssen jedoch ohne staatliche Zuschüsse auskommen. Experten bezweifeln, dass der Betrieb langfristig profitabel bleibt.
Die Nachfrage ist saisonal stark – besonders im Sommer, zu Ostern und vor Weihnachten. Dennoch gelten die Betriebskosten als hoch. Die Strecke zählt zu den teuersten im europäischen Nachtverkehr. Trotzdem zeigen diese Entwicklungen, dass private Anbieter zunehmend Verantwortung übernehmen, wo staatliche Betreiber sich zurückziehen.
Weitere Hintergrundinformationen zu europäischen Bahnprojekten bietet der Artikel über neue Bahnverbindungen in Mitteleuropa.
Beide Entscheidungen – in Westeuropa und Skandinavien – sichern die Fortführung wichtiger Nachtzugrouten. Sie stärken den internationalen Bahnverkehr und belegen, dass grenzüberschreitende Mobilität in Europa auch ohne staatliche Unterstützung weiterentwickelt werden kann.
Quelle: Berliner Morgenpost