Ein Konsortium um die Deutsche Bahn hat den Zuschlag für einen der größten Aufträge im deutschen Nahverkehr erhalten. Die Entscheidung betrifft den Betrieb, die Beschaffung und die Wartung von Zügen auf den wichtigsten Linien der Berliner S-Bahn für die kommenden 15 Jahre.
Inhaltsverzeichnis:
- Deutsche Bahn, Stadler und Siemens übernehmen Linien
- Nord-Süd-Strecken und Stadtbahn betroffen
- Alstom prüft rechtliche Schritte
- Kritik von Bahn für Alle, Zustimmung von EVG
Deutsche Bahn, Stadler und Siemens übernehmen Linien
Laut Informationen des Berliner Tagesspiegels wurden am Freitag entsprechende Schreiben an die beteiligten Unternehmen verschickt. Zum Konsortium gehören neben der Deutschen Bahn auch die Zughersteller Stadler und Siemens. Das Bündnis setzte sich gegen den französischen Konkurrenten Alstom durch, der in Hennigsdorf ein Werk betreibt.
Die Vereinbarung umfasst:
- einen Zeitraum von 15 Jahren,
- Finanzmittel in Höhe von 15 Milliarden Euro,
- die Lieferung von mindestens 1400 neuen Wagen durch Stadler und Siemens.
Nord-Süd-Strecken und Stadtbahn betroffen
Das neue Betriebskonzept betrifft die Nord-Süd-Verbindungen sowie die in Ost-West-Richtung verlaufende Stadtbahn. Damit geht es um etwa zwei Drittel des gesamten Netzes. Die Tochtergesellschaft S-Bahn Berlin GmbH bleibt weiterhin für den Betrieb zuständig.
Besonders relevant ist die Größe des Auftrags, da er die modernste Zugflotte der Hauptstadt sichern soll. Die geplante Beschaffung stellt sicher, dass sowohl Fahrgäste als auch Mitarbeitende langfristig profitieren.
Alstom prüft rechtliche Schritte
Alstom hatte sich bereits während des Verfahrens juristisch gegen die Ausschreibungsbedingungen gewehrt, jedoch ohne Erfolg. Es gilt als wahrscheinlich, dass das Unternehmen erneut rechtliche Schritte einleiten wird. Dies könnte das ohnehin langwierige Verfahren weiter verzögern.
Ein Kernproblem für Alstom war das Fehlen eines Partners für den Bahnbetrieb. Das führte zur Forderung, Ausschreibungen für Betrieb und Beschaffung voneinander zu trennen.
Kritik von Bahn für Alle, Zustimmung von EVG
Die Initiative Bahn für Alle sprach sich entschieden gegen die Vergabe aus. Sie kritisierte die mit dem Beschluss verbundene Teilprivatisierung und forderte eine Rücknahme des Verfahrens. In ihrer Stellungnahme hieß es, Berlin solle für einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag die Mehrheit an der S-Bahn GmbH übernehmen.
Ganz anders bewertete die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft die Entscheidung. Der EVG-Vorsitzende Martin Burkert bezeichnete die Vergabe als wichtiges Signal für langfristige Sicherheit – für Beschäftigte und Fahrgäste. Damit gebe es aus Sicht der Gewerkschaft eine klare Perspektive für die kommenden Jahre.
Quelle: STERN