Deutschland hat 2024 so viel Geld in sein Schienennetz gesteckt wie nie zuvor. Doch trotz der historischen Investitionshöhe bleibt das Land im Vergleich zu seinen Nachbarn zurück. Die Gründe liegen in politischen Entscheidungen und langjährigen Versäumnissen. Eine neue Strategie des Bundesverkehrsministeriums soll nun die Wende bringen.
Inhaltsverzeichnis
- Mehr Geld unter SPD, Grünen und FDP
- Europa bleibt vorne – vor allem Luxemburg und die Schweiz
- Neue Strategie von Patrick Schnieder geplant
- Kritik an Finanzierungslücke beim Streckenausbau
- Nächste Großsanierung steht bevor
Mehr Geld unter SPD, Grünen und FDP
Pro Einwohner wurden im Jahr 2024 exakt 198 Euro in die Schieneninfrastruktur investiert. Das ergaben Berechnungen des Interessenverbands Allianz pro Schiene und der Unternehmensberatung SCI. Im Jahr zuvor waren es lediglich 115 Euro. Den Anstieg führen Experten eindeutig auf die Verkehrspolitik der sogenannten Ampel-Koalition zurück. SPD, Grüne und FDP hatten beschlossen, mehr Mittel für die Bahn bereitzustellen.
Diese Gelder flossen vor allem in die geplante Generalsanierung stark belasteter Hauptstrecken. Ein Beispiel ist die ICE-Verbindung zwischen Hamburg und Berlin, die ab August für neun Monate komplett gesperrt wird. Die Kosten der Maßnahme: über 2,2 Milliarden Euro. Doch der Investitionssprung hat seinen Preis. Um die Schuldenbremse einzuhalten, wurden zusätzliche Kosten auf den Bahnbetrieb umgelegt. Das bedeutet: höhere Ticketpreise und mögliche Ausfälle bei Verbindungen drohen.
Europa bleibt vorne – vor allem Luxemburg und die Schweiz
Trotz des Aufwärtstrends liegt Deutschland im internationalen Vergleich nur im oberen Mittelfeld. Luxemburg führt mit 587 Euro pro Einwohner. Dahinter folgen:
- Schweiz – 480 Euro
- Österreich – 352 Euro
- Norwegen – 294 Euro
- Schweden – 259 Euro
- Großbritannien – 221 Euro
Deutschland bleibt mit 198 Euro deutlich abgeschlagen. Studienautorin Maria Leenen erklärt die Ursachen: In Ländern wie der Schweiz oder Österreich gebe es klare staatliche Zielvorgaben, die über Jahre hinweg überwacht würden. In Deutschland sei das bislang nicht der Fall.
Neue Strategie von Patrick Schnieder geplant
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kündigte an, noch vor dem Spätsommer eine neue Bahnstrategie vorzulegen. Ziel sei es, klare Perspektiven zu schaffen: Wo soll die Bahn stehen, wie werden die Ziele erreicht? Diese Fragen sollen verbindlich beantwortet werden. Die Strategie soll langfristige Planungssicherheit geben und gleichzeitig die Effizienz steigern.
Parallel dazu plant die Bundesregierung Investitionen in Höhe von 81 Milliarden Euro bis 2029. Diese stammen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur, das insgesamt 500 Milliarden Euro umfasst. Nach Angaben des Verkehrsministeriums soll der Schienenverkehr am stärksten von diesem Sondervermögen profitieren.
Kritik an Finanzierungslücke beim Streckenausbau
Trotz der Rekordsumme gibt es Kritik. Tarek Al-Wazir (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, warnt vor einer Finanzierungslücke beim Ausbau und Neubau von Bahnstrecken. Er bezeichnete den Haushaltsentwurf der schwarz-roten Bundesregierung als „Armutszeugnis“. Seiner Einschätzung nach sind im Entwurf nur fünf Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für die Verkehrsinfrastruktur vorgesehen – das wären lediglich 50 Milliarden in zehn Jahren.
Al-Wazir fordert, dass der Haushaltsplan bis zum endgültigen Beschluss im September korrigiert wird. Nach Ansicht vieler Verkehrsexperten reicht das geplante Volumen nicht aus, um die deutschen Bahnverbindungen zukunftsfähig auszubauen.
Nächste Großsanierung steht bevor
Die zweite sogenannte Generalsanierung startet im August. Die ICE-Strecke zwischen Hamburg und Berlin wird für neun Monate stillgelegt. Laut Verkehrsministerium steht hier zunächst die Substanzerhaltung im Vordergrund. In der Zwischenzeit bleibt für Fahrgäste mit Einschränkungen zu rechnen.
Deutschland Bahn erhält so viel Geld wie nie, bleibt aber strukturell im Rückstand. Nur mit klaren Zielen, verlässlicher Finanzierung und langfristiger Planung kann das Netz dauerhaft modernisiert werden.
Quelle: Tagesschau