Zerstörte Kabel legten Bahnverkehr lahm
Zerstörte Kabel legten Bahnverkehr lahm, Foto: piaxbay

Ein gezielter Angriff auf eine zentrale Verkehrsader in Nordrhein-Westfalen hat am Donnerstag massive Störungen im Zugverkehr verursacht. Mehr als 620 Zugverbindungen waren betroffen, darunter zahlreiche Fern- und Regionalzüge. Zwei Brandsätze beschädigten wichtige Kabelsysteme der Bahn. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Ein Bekennerschreiben liegt vor.

Inhaltsverzeichnis:

Zerstörte Steuerungskabel bei Düsseldorf

Bei dem Anschlag wurden fünf dicke Steuerkabel vollständig zerstört. Diese waren jeweils 20 Meter lang und essenziell für die Signal- und Weichensteuerung. Nach Angaben eines Bahnsprechers mussten die Kabel vollständig ersetzt werden. Der erste Brandsatz wurde in einem Kabeltunnel in der Nähe von Düsseldorf entdeckt, nachdem ein Lokführer Rauch bemerkte und Alarm schlug.

Ein zweiter Brandort wurde rund zwei Kilometer entfernt lokalisiert. Auch dort hatten Täter einen Brandsatz deponiert, der vermutlich zur gleichen Zeit gezündet wurde. Die Polizei geht von einem koordinierten Sabotageakt aus. Die Tat wird als ein einziger Vorgang mit zwei Einsatzstellen gewertet. Die Spurensicherung dauerte bis Freitagmittag, danach begannen sofort die Reparaturen.

Reul nennt Linksextremisten als Verdächtige

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul macht linksextreme Täter verantwortlich. Seinen Angaben zufolge deute vieles darauf hin, dass die Gruppierung „Kommando Angry Birds“ hinter dem Anschlag steckt. Die Gruppe ist laut Behörden seit Jahren im Raum Düsseldorf aktiv. Reul erklärte, dass sie bereits mehrfach durch Sabotageakte aufgefallen sei.

Ein Bekennerschreiben wurde auf einer linken Plattform veröffentlicht. Die Echtheit des Schreibens wird weiterhin geprüft. Die Polizei bestätigte, dass beide Brandsätze nach identischem Muster gebaut waren. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Die Behörden betonen die besondere Gefährdung kritischer Infrastruktur.

Massive Auswirkungen auf den Bahnverkehr

Die Strecke Duisburg–Düsseldorf gehört mit über 620 Zugverbindungen pro Tag zu den am stärksten frequentierten in Deutschland. Aufgrund des Anschlags kam es zu erheblichen Störungen im gesamten Netz. Zahlreiche ICE- und Regionalzüge waren betroffen, darunter Verbindungen nach Berlin, Frankfurt, Nord- und Süddeutschland sowie in die Niederlande.

Für Reisende wurden mehrere Maßnahmen ergriffen:

  • Ein Bus-Pendelverkehr zwischen Duisburg und Düsseldorf.
  • Umleitung des Fernverkehrs über Dortmund und Wuppertal.
  • Kurzfristige Stilllegung von Bauarbeiten auf einer Güterstrecke in Duisburg-Wedau zur Entlastung.

Trotz dieser Maßnahmen strandeten zahlreiche Fahrgäste an den Bahnhöfen. Es kam zu vielen Zugausfällen und Verspätungen. Besonders betroffen war auch die Anbindung an den Flughafen Düsseldorf.

Schäden und Reaktionen der Politik

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer sprach von einem „immensen Schaden“. Er kündigte eine entschlossene Strafverfolgung an. Laut Krischer handle es sich nicht um einen Bagatelldelikt, sondern um einen gezielten Angriff mit hoher krimineller Energie. Die Strafverfolgungsbehörden würden mit Nachdruck nach den Tätern suchen.

Der Schaden an der Infrastruktur ist erheblich. Die Deutsche Bahn plante die Fertigstellung der Reparaturarbeiten bis Freitag Mitternacht. Danach sollten Probefahrten erfolgen. Ab Samstagmorgen sei ein regulärer Betrieb wieder möglich. Wie viele Fahrgäste genau betroffen waren, blieb zunächst unklar.

Die Digitalisierung des Bahnnetzes soll künftig solche Angriffe erschweren. Laut Krischer werden durch die laufende technische Modernisierung viele bisherige Schwachstellen beseitigt. Besonders Steuerungskabel sollen besser geschützt werden.

Wiederholte Sabotageaktionen in der Vergangenheit

Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Anschläge ein. Bereits 2018 hatten Linksextremisten auf der Strecke zwischen Düsseldorf und Duisburg Signalkabel beschädigt. Der Anschlag war damals ein Protest gegen Abschiebungen. Auch vor dem G20-Gipfel 2017 wurden bundesweit Bahnanlagen durch Brandstiftung sabotiert.

Die Deutsche Bahn sieht sich zunehmend mit gezielten Angriffen konfrontiert. Besonders kritische Punkte wie Kabelschächte und Signaltechnik gelten als verwundbar. Laut Polizei ist ein vollständiger Schutz angesichts der Streckenlänge nicht möglich.

Die Ermittlungen konzentrieren sich aktuell auf die Gruppe „Kommando Angry Birds“. Weitere Spuren werden ausgewertet. Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung. Bislang wurde noch niemand festgenommen. Der Staatsschutz bleibt mit umfassenden Ermittlungen betraut.

Quelle: ZVW